Ärzte geben zu: Wir operieren zu viel
FUNK UHR - 19. Dezember 2017

Ärzte geben zu: Wir operieren zu viel

"Meine Heilkunst werde ich zum Nutzen der Kranken einsetzen!" Diesem berühmten Eid des Hippokrates aus der Antike sind Ärzte noch heute verpflichtet. Und im guten Glauben, jeder Mediziner helfe uns Patienten ganz im Sinne des Hippokrates, vertrauen wir Ärzten meist vorbehaltlos. Doch das kann sich manchmal auch als Fehler erweisen...

Das Geld regiert
Wir Patienten werden in Krankenhäusern nämlich nicht in jedem Fall zu unserem Wohle behandelt, sondern – so beklagen es viele Ärzte – allzu oft zum Wohle der Krankenhäuser, bei denen nur der Gewinn zählt. Das zeigt eine aktuelle Studie der beiden Professoren Heinz Naegler und Karl-Heinz Wehkamp. Das für Patienten beunruhigende Ergebnis: „Weil Kliniken gezwungen sind, Gewinne zu machen, regieren hier Kaufleute, nicht Ärzte. Ebenso sitzen die Geschäftsführer auf dem Schleudersitz, denn sie müssen Vorgaben einhalten.“ Auch Dr. Martin Marianowicz, Orthopäde aus München, weiß: „Chefärzte haben heute Verträge mit Zielvereinbarungen, wie viele Eingriffe sie im Jahr erbringen müssen. Und deshalb operieren sie zu viel.“ Der Patient steht also nicht immer im Mittelpunkt – und das, obwohl Deutschland eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau hat.

Die Krankmacher
Weil der wirtschaftliche Druck so groß ist, müssen die Kliniken sich ihre Kranken zur Not sogar selbst schaffen – womit sie die Gesundheit von Patienten gefährden können. Wie das geht? Prof. Wehkamp erklärt es: „Viele Ärzte berichten, dass sie Anordnung von oben hätten, bei niedriger Betten-Belegung alle Patienten stationär aufzunehmen – selbst diejenigen, die normalerweise wieder nach Hause geschickt würden.“ Denn Betten-Leerstand ist für die Klinik ein finanzieller Nachteil. „Umgekehrt kann es passieren, dass Patienten nach Hause geschickt werden, die dem Haus wirtschaftliche Nachteile bringen.“ Dazu gehören zum Beispiel internistische Fälle wie chronisch Leber- oder Darmkranke. Und damit nicht genug: Einmal in der Klinik, erhöht sich mit jedem Tag auch die Gefahr, sich gefährliche Klinik-Keime einzufangen. Pro Jahr sterben bei uns rund 15.000 Patienten an solchen Infektionen! Weitere Opfer dieses Wahnsinns sind zudem die akut Kranken, die zum Teil rücksichtslos zu früh entlassen werden müssen, wenn sie das Betriebsergebnis belasten. Denn Klinik-Behandlungen werden nach Fallpauschalen abgerechnet. Das bedeutet: Das Haus erhält eine Fix-Summe pro OP. Verlässt der Patient die Klinik danach zwei Tage früher, bekommt sie dennoch die volle Fallpauschale und macht ein Plus. Bleibt der Patient länger, entsteht ein Minus – da wird schon mal jemand entlassen, der nicht auskuriert ist...

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