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Presseinformation: „Offener Brief an Bundesminister Gröhe nach Maastricht-Konferenz“

World Institute of Pain fordert Deutschland zum Kampf gegen zu hohe OP-Zahlen auf

  • Deutschland Negativ-Spitzenreiter mit über 400.000 Rückenoperationen im Jahr
  • Bettenüberversorgung und falsche Anreize des Gesundheitssystems als Ursachen
  • WIP-Präsident Dr. Martin Marianowicz: Deutscher Irrweg kostet Staat Milliarden

(Maastricht/Berlin, 12. Juni 2014) Mit einem offenen Brief an den neuen Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe appelliert das World Institute of Pain eindringlich, die explodierenden Operationszahlen in Deutschland zu bekämpfen. Bei ihrer jüngsten Weltkonferenz in Maastricht thematisierte die interdisziplinäre Fachorganisation, die Orthopäden, Anästhesisten, Radiologen und Schmerztherapeuten vereint, auch den weltweiten Erfolg konservativer und neuer Therapiemethoden beim Kampf gegen Rückenleiden – und konstatierte eine rückwärtsgewandte und im Europavergleich desaströse Entwicklung operativer Eingriffe in Deutschland. Dr. Martin Marianowicz, Präsident der Sektion Zentral- und Osteuropa: „Die Zahl der Rückenoperationen in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt – und die Anzahl stationärer Eingriffe steigt auch stetig. Heute weiß man, dass mindestens 80 Prozent aller Rückenoperationen überflüssig sind. Trotzdem steigen die Operationszahlen weiter an, eben weil in Deutschland falsche Anreize geschaffen werden und auf verstaubte Behandlungskataloge und Gebührenverordnungen vertraut wird. Es ist an der Zeit, dass die Politik einschreitet.“

Erst vor knapp eineinhalb Jahren hatte der ehemalige Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr angesichts neuer Statistiken angekündigt, gegen die steigenden OP-Zahlen in Deutschland vorgehen zu wollen – geschehen ist seitdem nichts. In Maastricht, bei der Konferenz des World Institutes of Pain, die zweijährlich an wechselnden Orten auf der ganzen Welt stattfindet, diskutierten jetzt 200 leitende Mitglieder einer der weltweit wichtigsten Schmerztherapie-Fachorganisationen, über neue Therapieverfahren und den Status Quo in den einzelnen Ländern. Ergebnis: Deutschland gehört derzeit mit jährlich über 400.000 Rückenoperationen zu den Spitzenreitern Europas – nirgendwo wird häufiger operiert. Und nirgendwo steigt die Anzahl drastischer an.

Milliardengrab im Gesundheitssystem

In dem Brief weist das World Institute of Pain nicht nur auf die Ursachen und Folgen der Fehlentwicklung hin, sondern zeigt auch Lösungsvorschläge auf, um dem Trend entgegenzuwirken. Dr. Martin Marianowicz: „Deutschland ist ein Land, in dem die Bildhörigkeit und Versorgung mit Kernspintomografen ein Ausmaß angenommen hat, das in keinem Verhältnis zum Bedarf steht. Operationen sind lukrativer als konservative Behandlungen. Neue, sanfte Therapiemethoden sind im Behandlungskanon der deutschen Medizin noch nicht angekommen.“ So stützt sich der deutsche Behandlungskatalog auf Ansätze, die in den 1980er-Jahren State of the Art waren, heutigen Erkenntnissen aber in keinster Weise entsprechen. Niedergelassene Orthopäden erhalten von der gesetzlichen Krankenversicherung weniger als 30 Euro pro Patient und Quartal. Mittel, mit denen eine adäquate konservative Behandlung nicht durchzuführen ist. Im Gegenzug zahlen die...


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